Rückblick 2017

Am 1. Juli 2017 begann im Museum der Gartenkultur in Illertissen der erste internationale Kongress über Pflanzenwässer. Der Saal war voll besetzt, als Susanne Fischer-Rizzi und Anke Brüchert die Gäste begrüßten. Hausherr Dieter Gaissmayer stellte zunächst diesen besonderen Ort, an dem wir inmitten blühender Gärten und duftender Pflanzenschätze tagen durften, vor.

 

Mit einer Vorstellungs- und Fragerunde wurde das Programm eröffnet. Alle anwesenden ReferentInnen nahmen auf der Bühne Platz und wurden von Susanne Fischer-Rizzi und Anke Brüchert vorgestellt und befragt, damit alle BesucherInnen einen Eindruck von der Vielfalt der Forschungs- und Arbeitsgebiete rund um die Hydrolate bekamen. So konnten Alexandra Nadig, Georg Effner, Petra Keim, Angelika Weigand, Dorothea Rupprecht, Regula Rudolf von Rohr, Maria Rosaria Belgiorno, Ann Harman und Berthold Heusel erlebt werden. Nicht dabei sein konnten Hanns Hatt, Stefan Wiesner, Berthold Heusel, die erst später anreisten. Leider ganz absagen musste Renato Strassmann, der das Rosenwasser als besonders Geschenk der Rose vorstellen wollte. Auszüge seines Beitrages konnten in der Kongressmappe nachgelesen werden.

 

Den Eröffnungsvortrag hielt die Gastgeberin Susanne Fischer-Rizzi über „Die Wiederkehr der Pflanzenwässer“. Sie stellte die Leitpflanze des Kongresses vor, die während der Veranstaltung als Hydrolat in einem destillenförmigen Diffusor verdampft wurde: Es ist der Rosmarin, über den Shakespeare Ophelia sagen ließ: „There's rosemary, that´s for rememberance.“ Susanne Fischer-Rizzi betonte: „Wichtige Dinge verschwinden nie ganz. Sie tauchen ab, aber kehren zurück, wenn man sie braucht.“ Und so tauchte sie mit den ZuhörerInnen ein in die spannende Geschichte und wiederentdeckte Bedeutung der Pflanzenwässer.

 

Daran anknüpfend wurde die Ausstellung „Opus mulierum – Die vergessene Kunst der Frauen“ eröffnet. 13 kräuterkundige Frauen waren je Patin für eine historische Frau oder Frauengruppe, die destilliert hat. Sechs der Frauen waren anwesend, stellten ihre Forschung vor und gaben den symbolischen roten Faden durch die Jahrtausende weiter bis ins Jetzt, wo Frauen weiterhin die Liebe zur Natur und die Kunst der Destillation pflegen. Gemeinsam mit den Gästen ging es dann in die Ausstellung im Rundzelt, wo dies mit schön gestalteten Tafeln, Fotos und Destillen visualisiert wurde.

 

Am Samstag nach der Mittagspause fanden parallel vier Workshops statt. Ann Harmann stellte umgeben von den Tableaus mit den historischen Destillateurinnen im Rundzelt den praktischen Nutzen und die Anwendung von Hydolaten vor. Anschaulich demonstrierte sie die Einsatzmöglichkeiten von Kosmetik über Bad bis Küche. Die TeilnehmerInnen konnten ein Handbad und besprühte Augenpads austesten. Im Workshop von Petra Keim ging es um den Tau: Welche Arten von Tau gibt es? Wie kann ich ihn „einfangen“ und wie wende ich ihn an? Bei Dorothea Rupprecht wurden einfache Glasdestillen für den Hausgebrauch vorgestellt um zu zeigen, was für ein schönes Hobby die Herstellung von Pflanzenwässern ist. Tierärztin und Phytotherapeutin Alexandra Nadig erläuterte zunächst die intuitive Beziehung von Tieren zu Heilpflanzen, bevor sie auf die Verwendung von Hydrolaten bei Haustieren zu sprechen kam.

 

Im Anschluss war „Ausschwärmen“ angesagt. Es gab jeweils parallel drei Kurzführungen mit drei verschiedenen Themen von Dieter Gaissmayer (Heilpflanzen), Thea Zeidelmeier (Farbe) und Georg Effner (Duft) durch das Gärtnerei- und Museumsgelände, bei denen viel Wissenswertes rund um Blütenpracht und Kräuteranwendungen erzählt wurde.

 

Am Samstag Abend entführte uns Wasserforscher Berthold Heusel in den fasziniernden Mikrokosmos der Wassertropfen. Er hat verschiedene Wässer mit dem Dunkelfeldmikroskop untersucht, auch Hydrolate, und zeigte zahlreiche beeindruckende Bilder seiner Forschungen.

 

Und nun Musik! Im Café spielten für alle, die noch nicht zu müde waren, Kirsten und Otto von Terra Musica auf. Sie nahmen mit auf eine musikalische Weltreise, verzauberten mit ihren Tönen und brachten die Anwesenden nicht nur zum Lächeln, sondern auch zum Tanzen. Es war ein wunderschöner Tagesausklang!

 

Der Sonntag begann mit einer Reise zu den Ursprüngen der Destillation. Die aus Italien angereiste Archäologin Maria Rosaria Belgiorno stellte historische Zusammenhänge und aktuelle Forschungen vor, inklusive ihrer eigenen Grabungen auf Zypern, bei denen sie 4000 Jahre alte Tondestillen fand.

 

Aufgrund der Trauerfeierlichkeiten für Helmut Kohl musste der Vortrag von Professor Hanns Hatt auf den Sonntag verschoben werden. Wir waren sehr dankbar, dass Herr Hatt weite Fahrten auf sich genommen hat um seinen Beitrag bei uns möglich zu machen! Er sprach über den Geruchssinn und seine Feinheiten, folgt der Geruchsspur ins Mikroskopische, „schnüffelte“ dem Weg der Duftmoleküle mit uns hinterher. Es ist ein spannender Weg! So konnte er mit seinem Team die ersten Riechrezeptoren des Menschen hinsichtlich ihres Duftspektrums detailliert analysieren. Sie haben mittlerweile die Riechrezeptoren in Hautzellen nachgewiesen, sogar im Herzen. Diese experimentellen Fortschritte tragen dazu bei, die zellulären und kognitiven Prozesse besser zu verstehen, die dazu führen, dass Düfte unsere Befindlichkeit verändern oder sogar Krankheiten heilen (Aromatherapie) können.

 

Im Anschluss fanden fünf paralle Workshops statt. Sternekoch Stefan Wiesner zeigte kulinarische Zaubereien mit Baumessenzen. Dazu packte er auch seine Motorsäge aus um Zirbenspäne zu erhalten, die er dann destillierte. Von der anschließenden Verkostung waren alle TeilnehmerInnen begeistert. Bei Martina Seng wurde der Einsatz von Hydrolaten im Hospiz besprochen, bei Regula Rudolf von Rohr ging es um den Nutzen der milden Wässer in der Psychiatrie. Ganz praktisch demonstierte Georg Effner den Destillationsprozess an der brandneuen großen Glasdestille im Aromahäuschen des Museums. Auch bei Angelika Weigand wurde live destilliert: Sie zeigte die Verwendung der Topfdestille mit einfachen Küchengeräten.

 

Nach der Mittagspause hielt Ann Harman ihren Vortrag „Leidenschaft und Forschung – GCMS-Analyse und mein Leben als Destillateurin“. Sie beschrieb ihren persönlichen Weg zur Destillierkunst und ihre chemischen Forschungen über Hydrolate. Wie schon beim Vortrag am Morgen sorgte Janine Laube für eine hervorragende Konsekutivübersetzung.

Beim World Café, das als offenener Austausch zu vielfältigen Themen rund um Hydrolate und ihre Einsatzmöglichkeiten gedacht war, schrumpfte die Beteiligung, da viele sich bereits auf den Heimweg machen mussten. Es gab eine größere Gruppe zum Thema „Alchemie“, in der intensiv und inspirierend diskutiert wurde.

 

Zum Abschluss kamen noch einmal alle anwesenden ReferentInnen sowie ÜbersetzerInnen, HelferInnen und das Organisationsteam auf die Bühne. Es gab duftende Dankeschöns und einen von Hausherr Dieter Gaissmayer angeleiteten großen Jubel für den gelungenen Kongress.

 

Wir danken allen, die dieses Wochenende zu dem gemacht haben, was es war und was wir uns erhofft hatten: Ein informatives und sinnliches Wochenende zu Ehren der Pflanzenwässer mit weitreichenden Entdeckungs- und Vernetzungsmöglichkeiten!